Fohlen Impfung

Verfasser der Artikel ist soweit nicht anders vermerkt Dr. C. A. Bingold, Pferdeklinik Großostheim

Dass auch Fohlen gegen Viruserkrankungen durch Impfungen geschützt werden sollten, ist unbestritten. Nicht immer klar ist jedoch der Zeitpunkt der Impfungen.

Fohlen dürfen in den ersten Monaten ihres Lebens noch nicht geimpft werden (Ausnahme Herpes Lebendimpfstoff). Der Grund dafür ist zum einen das noch nicht ausgereifte Immunsystem, das erst in den ersten Lebensmonaten zur vollen Funktionalität heranreift. Eine Impfung hat nur bei funktionsfähigem Immunsystem Sinn, denn die Impfung immitiert ja sozusagen einen Angriff eines Erregers.

Der zweite Grund, weshalb nicht in den ersten Monaten geimpft werden darf, liegt in der Tatsache, dass das Fohlen um die Übergangszeit der Heranreifung des Immunsystems zu überbrücken durch die mütterlichen Antikörper, die durch das Kolostrum übertragen wurden, für einige Monate geschützt ist. Während der Heranreifung des Immunsystems dauert eine Immunantwort auch sehr lange (bis zu einem Monat) bis entsprechende Antikörper in ausreichendem Maße produziert werden. Mit zunehmendem Training des Immunsystems verkürzt sich diese Zeit. Aus diesem Grund ist die ausreichende Aufnahme von guter Kolostralmilch so extrem wichtig. Nur so ist die mehrere Monate dauernde Übergangszeit bis das Immunsystem des Fohlens voll funktionsfähig ist, für das Fohlen risiskolos überbrückbar.

Das Problem einer zu früh vorgenommenen Impfung besteht ironischerweise darin, dass die durch die Kolostralmilch übertragenen Antikörper die Wirkung einer Impfung regelrecht neutralisieren. Das Immunsystem betrachtet den Impfstoff als Erreger, der bekämpft werden musst. Das Immunsystem ist aber noch nicht fähig, eigene Antikörper zu bilden, womit die Wirkung der Impfung verpufft. Es entsteht kein Schutz. Aus diesem Grund ist es sinnlos oder gar schädlich vor einem Alter von 4 Monaten Impfungen bei Fohlen durchzuführen. Die Menge der durch die Kolostralmilch übertragenen Antikörper reduziert sich pro Monat jeweils um die Hälfte, so dass nach etwa 4 Monaten nur noch sehr wenig mütterliche Antikörper vorhanden sind und das Immunsystem andererseits soweit herangereift ist, dass eine brauchbare Immunantwort des Fohlens erfolgen kann Da diese Immunantwort aber noch schwächer ist als bei erwachsenen Pferden, ist es gerade hier extrem wichtig, dass in den vorgeschriebenen Abständen Wiederholungsimpfungen durchgeführt werden. Nur so kann das Immunsystem gegen den Erreger trainiert werden, um eine andauernde tragfähige Abwehrkraft zu erzeugen.

Um die Überbrückungszeit zwischen Geburt und erster Impfung zu optimieren, empfiehlt es sich bei der tragenden Stute ca. 4-6 Wochen vor der Geburt Wiederholungsimpfungen durchzuführen, da so wesentlich höhere Antikörperspiegel in der Kolostralmilch erreicht werden.

 

Fazit:

 Fohlen nicht unter 4 Monaten impfen

 Wiederholungsimpfungen nach Anweisung des Herstellers

 Stute 4- 6 Wochen vor der Geburt Wiederholungsimpfen


Der Autor übernimmt ausdrücklich keine Haftung für aus diesen Seiten abgeleitete Maßnahmen, für angegebene Dosierungen, Nebenwirkungen oder Schäden in Folge der Anwendung von Präparaten oder Maßnahmen. Die Dosierung ist im Einzelfall zu prüfen. Die Präparate dürfen nur von Tierärzten angewandt werden. Die Zulassung der Präparate für das Pferd ist im Einzelfall zu prüfen. Nicht für das Pferd und für die jeweilige Indikation zugelassene Medikamente anzuwenden ist strafbar.


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