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Diagnostische Injektionen
Inhaltsverzeichnis dieser Seite Physiologie des Schmerzes Wirkungsmechanismus von Lokalanästhetika Leitungsanästhesien Ringblock Infiltrationsanästhesie Intrasynoviale Anästhesie Probleme Allgemeine Methodik Lokalanästhetika Widersetzlichkeit Nachsorge
Physiologie des Schmerzes
- Der genaue Mechanismus der Schmerzübertragung ist bislang nicht aufgeklärt
- A-delta und C-Fasern sind verantwortlich für Schmerzleitung
A-delta Fasern
- Dünn myelinisiert
- Scharfer präzise lokalisierter Schmerz
C-Faser
- Unmyelinisiert
- Dumpfer - brennender, ungenau umschriebener Schmerz
Wirkungsmechanismus von Lokalanästhetika
- Lokalanästhetika blockieren Na-Kanäle und verhindern dadurch Potrentialänderungen
- Die Reihenfolge und der Grad der Anästhesierung sind abhängig vom Durchmesser und dem Typ der Fasern
- B-Faser sind die ersten, die betroffen sind
- Vasodilatation und lokaler Temperaturanstieg
- A-delta und C-Fasern folgen als nächste
- Verlust der Schmerzperzeption
- A-gamma, A-beta und A-alpha Fasern werden als letzte ausgeschaltet und sind oft nur ungenügend geblockt
- Verlust von Proprioception, Druck/Berührungsempfindung und motorischer Signalleitung
- Diese Fasern müssen sehr präzise getroffen werden, um ihre Leitungsfähigkeit zu unterbrechen
- Daher ist Schmerzfreiheit bei erhaltenem Berührungsempfinden möglich
Leitungsanästhesie (Perineuralanästhesie)
- Betäubung eines sensorischen Nerven durch ein Lokalanästhetikum
- Stufenweise Schmerzausschaltung von distal nach proximal
- Systematisches Vorgehen
- Genaue anatomische Kenntnisse
- Relativ ungefährlich
- Eingrenzung von Regionen
Ringblock
- Sicheres Abblocken, wenn anatomische Abweichungen vermutet werden
Infiltrationsanästhesie
- Betäubung eines eng umschriebenen Bereiches
- Überbein
- Sehnen und Bandansätze
Intrasynoviale Anästhesie
- Betäubung von Gelenken oder Sehnenscheiden (Die nervale Versorgung der Auskleidung wird ausgeschaltet)
- Nur Bereiche, die mit dem Anästhetikum in Kontakt kommen werden anästhesiert.
- Gefahr der Infektion
- Gefahr von Gelenksreaktionen
- Nicht alle Gelenke sind leicht zu punktieren
- Gelenksentzündungen werden verstärkt
- Kein adrenalinhaltigen Lokalanästhetika in Gelenke injezieren
Probleme
- Erhöhte Gefahr von Frakturen
- Niemals bei Fraktur / Fissurverdacht anästhesieren
- Besitzer auf Risiko hinweisen
- Person, die Pferd führt, instruieren
- Vorsicht auf gebogenen Linien, Vorreiten, Longieren
- Restlahmheit
- Sitzt die Anästhesie? Überprüfung der Hautsensibilität nicht immer aussagefähig, sowohl falsch positiv, wie falsch negativ möglich!
- trotz sitzender Anästhesien keine Schmerzfreiheit
- % der Restlahmheit notieren
- Multiple Schmerzherde
- Mechanisch bedingte Lahmheiten
- Pferd erwartet Schmerz und lahmt weiter, obwohl Schmerz ausgeschaltet ist
- Variabilität der Innervation
- Schmerzübertragung durch Hautnerven
- Manche Pferde werden im Gang unsicherer, je weiter proximal die Anästhesie gesetzt wird
- Je weiter proximal, desto unspezifischer und unsicherer werden Leitungsanästhesien
- Bei Gelenksanästhesien werden periartikuläre Strukturen sowie subchondrale Defekte mit geschlossener Knorpeloberfläche nicht oder nur ungenügend anästhesiert - speziell bei zunehmender Größe der Gelenke
- Gelenksanästhesien betäuben aber u. U. auch periatikuläre Strukturen (z.B. die Karpalgelenksanästhesie die Insertion des Unterstützungsbandes der oberflächlichen Beugesehne, die Hufgelenksanästhesie den Strahlbeinkomplex, die Sehnenscheidenanästhesie der Beugesehnen den N. palmaris)
- Umspringen
- Schmerzherd auch auf der anderen Gliedmaße
- sehr häufig bei distalen Erkrankungen, bes. Podotrochlose
- Verstärkung der Lahmheit
- Hinweis auf Erkrankungen an der proximalen Gliedmaße
- Pferd kann wegen ausgeschalteter Proprioception Lahmheit nicht mehr so gut ausgleichen
- Verdacht, daß evtl. auch muskuläre Strukturen (sekundär?) betroffen sind
- Dauer der Wirkung, Einsetzen der Wirkung
- 1. Kontrolle nach 10 min (evtl. bereits nach 5 min Vorkontrolle)
- evtl. nach weiteren 5 min Verlauf kontrollieren
- Menge des Anästhetikums
- Lähmungen
- bes. bei proximalen Leitungsanästhesien
Allgemeine Methodik
- Konsequent Schema einhalten und von distal nach proximal anästhesieren
- Aseptik
- Abhängig von Art der Anästhesie
- Rasieren
- Desinfizierende Seife, Alkohol, Kodan, Wundbenzin
- Sterile Handschuhe
- Für intrasynoviale Anästhesien unangebrochene Flaschen mit Lokalanästhetikum verwenden
- An der Hinterhand Schweif kontrollieren
- Ruhigstellung / Zwangsmaßnahmen
- Bremse
- Aufheben, Halten der Gliedmaßen
- Evtl. sehr gering dosierte Sedierung
- Lokalanästhetika
- Wirkung von Lidocain setzt nach etwa 3 min ein
- Wirkung von Bupivacain setzt erst nach 15 min zuverlässig ein
- Intraartikuläre Anästhesie mit Mepivacain setzt in distalen Gelenken nach 5 min ein und hält 55 min an
- Procain eignet sich nicht zur intrasynovialen Anästhesie, da es kein Oberflächenanästhetikum ist
- Evtl. Lokalanästhetika mit Adrenalin (Epinephrin) zur Gefäßkonstriktion
- Verlängerte Dauer der
- nicht im Gelenk!! - Gefahr der Nekrose durch Minderdurchblutung
- nicht bei großen Volumina
- so wenig wie möglich - soviel wie nötig
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Handelsname
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Zusammensetzung
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Potenz
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Wirkungs- dauer
(min)
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Reak- tion nach- weis- bar*
Tage
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Alvecain® 5%
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Procainhydrochlorid
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1
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20-45
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3-4
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Carbostein® 0,5%
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Bupivacainhydrochlorid
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5-10
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400-450
|
2
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Forticain® 2%
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Lidocainhydrochlorid
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1,5-2
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60-120
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3-4
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Hostacain®
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Butanilicainphosphat 2%
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1
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?
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14
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Isocain®
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Procainhydrochlorid 2%+ Epinephrin 0,25%
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1
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90-180
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3-4
|
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Lidocain® 2%
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Lidocainhydrochlorid
|
1,5-2
|
60-120
|
6
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Lurocain®
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Lidocainhydrochlorid 2%
|
1,5-2
|
60-120
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4-5
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Neocain® 5%
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Procainhydrochlorid 4,5% + Tetracainhydrochlorid 0,5%
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1
10-20
|
400-
450
|
12
|
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Scandicain® 0,5%
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Mepivacainhydrochlorid
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1,5-2
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60-120
|
2
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Xylonest® 2%
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Prilocainhydrochlorid
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1,5-2
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60-120
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2-3
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Tabelle 2: Handelsübliche Lokalanästhetika (* Traceranreicherung im Szintigramm)
- Injektionstechnik
- Geeignete Kanülen
- je dünner desto weniger Abwehrreaktionen des Pferdes
- geringere traumatische Einwirkung bei Abwehrreaktionen, brechen aber bei ungeschickter Handhabung leichter
- weniger Nachblutungen
- Hautfalte an der Injektionsstelle
- reduzierte Gefahr, ein Gefäß oder andere Strukturen zu punktieren
- reduziert die Schmerzhaftigkeit des Einstiches
- Nie mit aufgesetzter Spritze stechen
- Schnell stechen und dabei das Pferd ablenken lassen
- Bei tieferen Injektionen unter Injektion von Anästhetikum Kanüle vorschieben
- Spritze nur so fest aufsetzen, daß sie ganz leicht abgenommen werden kann, wenn das Pferd Abwehrreaktionen zeigt
- Spritze so halten, daß sie blitzschnell abgenommen werden kann
- Kontrollieren, ob ein Gefäß oder andere Strukturen punktiert wurden
- Bei Gelenken mit leerer 5ml Spritze Synovia aspirieren
- Nach Möglichkeit soviel Synovia abziehen, wie Anästhetikum injiziert werden soll
- Wenn nicht möglich, 1ml Luft injizieren, um anliegende Synovialis abzuheben und Synovia nachlaufen zu lassen (funktioniert nicht immer)
- Nicht zu schnell injizieren
- An der distalen Gliedmaße auf Quaddel achten
- Überprüfung von Sitz der Anästhesie
- Überprüfung der Hautsensibilität
- Nicht immer aussagefähig, sowohl falsch positiv, wie falsch negativ möglich!
- Proximal des Fesselgelenkes nicht oder nur eingeschränkt möglich
- Auge des Pferdes zuhalten
- Zug der Haut kann für Reaktion ausreichen, Haut nicht verschieben
- Nicht mit scharfen Gegenständen testen (Kugelschreiber)
Widersetzlichkeit
- Besonders an der Hinterhand zeigen manche Pferde trotz Bremse zu große Abwehrreaktionen, um eine Anästhesie ohne Gefahr für Personen und Pferd durchzuführen.
- Abhilfe:
- Mit Xylazin tief sedieren
- Bupivacain als Lokalanästhetikum verwenden
- Nach 30-60min wieder vortraben.
- Problem:
- Anästhetikum diffundiert weiter als erwünscht
- Xylazin hat eine schmerzstillende Komponente
- Es kann jeweils nur eine Anästhesie gesetzt werden
Nachsorge
- Je nach Art und Umfang der Anästhesie
- Verband
- Antiphlogistika
- Antibiotika
- Vorsicht beim Verladen und beim Transport anästhesierter Pferde
- (Aufklärung!)
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